Von Yuppies und Psychos

von Gunda

Diese Woche gab es das Wettrennen samt Psychotests um einen Praktikumsplatz. Ich hatte zwei Vorstellungsgespräche: Eins in Bonn, eins in Köln. Wie es gelaufen ist, habe ich Gabriele ausführlich beschrieben:

“Beide Firmen arbeiten im Bereich ‘Arbeitnehmerüberlassung’, sind also so etwas, wie Zeitarbeitsfirmen für Akademiker und Führungskräfte. Leute aus dem kaufmännischen Bereich kommen dazu. Die Arbeitnehmer können sich kostenlos registrieren lassen, die Arbeitgeber zahlen für die Vermittlung. Dafür können sie angeben, wie der zukünftige Mitarbeiter (auch z.B. vom Charakter oder Äußerlichen her) sein soll.
Und da sind wir auch schon bei den Tests, die jeder Bewerber machen muß. Anhand dieser Tests versuchen die Firmen, die Lebens- und Arbeitshaltung der Kandidaten bestimmten Kategorien zuzuordnen, aus denen der Arbeitgeber auswählen kann. (Neben Abschlüssen, Zensuren und persönlicher Einschätzung der Arbeitsvermittler.) Und das ist auch der Grund, weshalb ich einen solchen Test machen mußte. D.h., eigentlich sind es zwei Gründe: Ich sollte das Testverfahren kennenlernen, und der Betrieb wollte feststellen, ob ich zum Team passe. An Testverfahren, Betriebsklima und Dogmatik konnten aber beide Firmen unterschiedlicher nicht sein.
Die in Bonn haben Teile eines klassischen IQ-Tests mit ähnlich klassischen Abfragen der ’soft skills’ verwendet. Der Betrieb ist zwar genauso klein, wie der in Köln, besteht aber fast nur aus Psychologen, bzw. Psychologiestudenten (als Praktikanten). Entsprechend verkopft und methodisch eher wissenschaftlich läuft das Ganze ab. (D.h., das, was die machen, ist mir methodisch größtenteils schon bekannt.)
Köln ist ungefähr das genaue Gegenteil. (Interessanterweise kam auch bei beiden Tests ungefähr das Gegenteil raus. Vielleicht bin ich schizophren?) Da geht es ziemlich oberflächlich zu. Die Mitarbeiter können sich mit ihren Testergebnissen von vor … Jahren sogar immernoch identifizieren. Trotzdem habe ich in Köln eher das Gefühl, daß es dort ‘businessgerechter’ zugeht. Mittwoch habe ich zur Probe gearbeitet und gleich innerhalb der ersten fünf Minuten mit einem Verbesserungsvorschlag den ersten Treffer gelandet. Und weil der dickste meiner ‘Charakterpunkte’ in einem Feld lag, wo kein anderer aus dem Team ihn hat, wollten sie mich dann auch haben. ;-)
Ich habe zwar noch nicht zugesagt; aber ich denke, ich werde mich für Köln entscheiden. Einfach, weil das so eine andere Welt ist, in die ich Einblick gewinnen möchte. Als ich da gearbeitet habe, kam ich mir vor, wie live in einem Film. Dieser Menschenschlag ist mir SO unbekannt, daß ich mir wirklich mehr wie eine Beobachterin vorkam. Als ich zum Vorstellungsgespräch da war, sahen die alle aus, wie vom Laufsteg; jung, dynamisch, erfolgreich. Da kam ich mir mit meinem Hosenanzug richtig altbacken vor. Mittwoch habe ich gesehen, daß das wohl nicht immer SO dogmatisch gehandhabt wird. Aber aufpassen, daß ich nicht zu sehr aus dem Rahmen falle, muß ich wohl schon ein bischen. Lernen könnte ich da, so viel und was ich will, was auch ein Vorteil zu Bonn ist, wo ich vieles vorgesetzt bekäme. Ich möchte also erstmal die Hälfte der Zeit die Arbeitnehmerseite kennenlernen und dann die Arbeitgeberseite. Alles andere kriege ich zwischendurch sowieso mit. (Großraumbüro…) Mehr kann ich da wohl nicht mitnehmen.
Was sonst noch? Alle anderen rauchen, und zwar überall. (Außerdem scheinen sie von Kaffee abhängig zu sein.) Ich werde wohl darum bitten müssen, wenigstens das Großraumbüro zu verschonen (und mir dann eine Blume auf den Tisch stellen). Nach 7 Stunden war ich doch schon ziemlich fertig… Ansonsten konnte ich bei vielem einfach nicht mitreden, weil mir die Kenntnis der entsprechenden Fernsehsendungen fehlt. Und was auch sehr skurril war, war, daß alle manchmal über Bemerkungen von mir laut losgelacht haben, obwohl ich sie gar nicht witzig gemeint hatte…
Ich hoffe, ich bin stark genug, um mich durch dieses Praktikum nur bereichern und nicht verändern zu lassen. Jedenfalls habe ich Thomas gebeten, sich sofort zu beschweren, falls ich komisch werden sollte. (Ich mußte an ‘Der Teufel trägt Prada’ denken…) “

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